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Wir jubilieren! 35 Jahre Servir

Seit 1985 setzen sich Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums Maria Königin gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern für die “Eine Welt” ein. Die Arbeitsgemeinschaft Servir wurde in jenem Jahr im Dezember auf einer Weihnachtsfeier gegründet. Vieles wurde seither geschafft, wenn auch nicht jedes Engagement ohne Hürden verlief.

Menschen im Servir

Die meisten Freundinnen und Freunde des Servir verbinden diese Zeit insbesondere mit den Menschen, die das Projekt maßgeblich geprägt haben: Allen voran das Urgestein und Gründungsmitglied Werner Liesmann, der bisher noch auf jeder Begegnungsfahrt dabei war und auch in seiner Rentenzeit nicht müde wird, die Arbeit des Servir zu unterstützen.

Werner in Aktion

Die zweite Schlüsselperson setzte an MK die Mühlen des Austauschs und der Reflektion in Gang: Der inzwischen verstorbene Bischof Anselmo Müller, Bischof der Diözese Januária in Brasilien. Einige Monate vor der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Servir hatte er im Rahmen eines Besuchs nachhaltigen Eindruck hinterlassen und aufgezeigt, wo in seiner Diozöse große Not herrschte, aber auch Handlungsspielraum für ein Engagement in Deutschland vorhanden war.

“Bispo” Anselmo Müller,

In den Folgejahren war der Bischof derjenige, der die Fäden der Projekte in Januária und Quebra Guiada in der Hand hielt und einen sehr guten Austausch mit dem Servir in Lennestadt pflegte. Nach dem Tod von Anselmo Müller vor fast zehn Jahren und später folgenden politischen Verwerfungen musste der Servir e.V. seinen Fokus von den bisherigen Herzstücken Servir und Pequeno Davi ablassen und neue Wege des Engagements finden.

Der dann entstehende Kontakt mit Kenia war ein willkommenes Geschenk. Für die neue Projekt-Generation stehen nun Schwester Ancy und ihre Mitschwestern des Ordens der Schwestern Mariens von der Unbefleckten Empfängnis, die die Grundschule in Pundamilia aufbauen und leiten.

Die Schwestern in Pundamilia mit Besuch aus Deutschland

Wir freuen uns, in Pundamilia weiter wertvolle Unterstützung leisten zu können und in den kommenden Jahren relevante Aktivitäten für den Austausch zwischen MK und der Schule in Pundamilia auszubauen.

Bildungsarbeit am Gymnasium Maria Königin

Neben den Projekten vor Ort steht als wichtige Säule die Bildungsarbeit an Maria Königin. Im Laufe von fast zwei Generationen kann sich die Bilanz durchaus sehen lassen. Nach nunmehr fünf Begegnungsfahrten nach Brasilien, weiteren Erkundungsfahrten nach Kenia, tausenden verkauften Kaffeepäckchen, geernteten Äpfeln und genähten Täschchen, diversen Lerneinheiten zu Themen der Einen Welt und unzähligen Vertretungsstunden in der Alu-Scheune, in denen noch mehr Kerzen “gedrückt” wurden, steht fest: Servir hat vielen Schüler*innen mehr als nur mittwochs frischen Kuchen gebracht.

Die Bildungsarbeit des Servir an Maria Königin hat Schülerinnen und Schülern Denkanstöße gegeben. Sie konnten durch aktive Teilnahme und praktische Erfahrungen lernen, dass sie als Individuen nicht untätig bleiben müssen, sondern jede und jeder einen Beitrag zu mehr globaler Gerechtigkeit leisten kann. Für viele war dies in ihrer Entwicklung einer Perspektive auf die Welt handlungsleitend – in der Schule, wo viele Stunden engagierte Arbeit geleistet wurden, sowie nach dem Schulabschluss, bei der Studien- und Berufswahl und im fortlaufenden ehrenamtlichen Engagement.

In diesem Sinne: “Gratulation und ein großes Dankeschön allen, die am Projekt mitgeholfen haben” (Werner Liesmann)!

Klasse 6a spendet Flohmarkt-Erlöse an Servir

Mit einer tollen Aktion haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Maria Königin wieder gezeigt, wie man ohne großen Aufwand und mit Spaß an der Sache einen Beitrag leisten kann:  Die Klasse 6a führte vor den Herbstferien einen erfolgreichen „English Flea Market“ zugunsten des Servir e.V. durch.

English Flea Market der 6a

Statt Schulhefte wurden auf den Tischen im Klassenraum Kleinigkeiten und Selbstgemachtes ausgelegt und zum kleinen Preis angeboten. So manches Teil, dass sonst ein trauriges Dasein in der Kinderzimmerecke gefristet hätte, fand hier eine*n neue*n Besitzer*in. Dabei wurden die Verkaufsgespräche und Preisverhandlungen auf Englisch geführt und so das Gelernte mit Freude in die Praxis umgesetzt.

Rund 47 Euro und damit die Hälfte der Erlöse dieser tollen Aktion wurde an den Servir e.V. gespendet, und fließt direkt in die Unterstützung der Schule in Pundamilia, Kenia. Wir bedanken uns herzlich bei der 6a und ihrer Englischlehrerin Frau Tröster, denen wir zu ihrem tollen Erfolg gratulieren.

72 Stunden-Aktion 2019 vom 23. bis zum 26. Mai

Bereits zum dritten Mal haben wir im Rahmen der 72h-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) drei Tage und Nächte mit den drei 8er Klassen für das Servir-Projekt Aluminium sortiert und gepresst, da sich in der „Alu-Scheune“ im Laufe der Zeit wieder ein mächtiger Berg von Teelichtern, Spraydosen, Joghurt-Deckeln, aber auch von (Plastik-)Müll aufgetürmt hat.

Zu Beginn der 72h-Aktion: ein gewaltiger Berg von noch zu sortierendem Aluminium

Gemeinsam haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, innerhalb der vorgegebenen Zeit die Alu-Scheune zu leeren, um letztlich viele gepresste Ballen aus sauberem Aluminium zum Recyceln zu erhalten und somit einerseits die Umwelt zu schonen und andererseits Geld zu sammeln, um die Projekte in Kenia weiterhin finanziell unterstützen zu können und einen Beitrag für das Zusammenleben in der Einen Welt zu leisten.

Nach einer motivierenden Auftaktveranstaltung am Donnerstagnachmittag in der Klosterkirche von Maria Königin begann die Klasse 8a im eigens erstellten Schichtplan mit Unterstützung einiger Lehrer die Arbeit aufzunehmen.

Voller Tatkraft startet die 8a mit ihrem Klassenlehrer Herrn Walter im Hintergrund in den ersten Abend hinein

Gestärkt von gegrillten Bratwürstchen zum Abendbrot, einem tollen Frühstück im Jugendhof und einem selbst zubereitetem Mittagessen hat es die Klasse geschafft bis zum Freitagnachmittag durchzuhalten. Zwischendurch haben die Schüler in der Turnhalle, wo auch übernachtet wurde, bei sportlichen Aktivitäten (Handball um 5 Uhr morgens – sehr zur Freude der Lehrer!) etwas Abwechslung finden können vom ansonsten doch recht mühsamen Sortieren des Aluminiums. Nebenbei gab es auch einige Hintergrund-informationen über den Servir-Verein und den Rohstoff an sich, um den Sinn der ganzen Aktion transparent zu machen und das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Entwicklungsarbeit zu schärfen.

Am Freitagnachmittag, also 24 Stunden nach Beginn der Aktion, kamen dann die Schüler der 8b zur Turnhalle, um ihr Lager für den kommenden Tag zu beziehen. Nachdem der Berg von Aluminium bereits um Einiges kleiner geworden war, schaffte es diese Klasse innerhalb weniger Stunden und unter besonderem Einsatz weitere Fortschritte zu erzielen. Unterstützt und motiviert durch Vertreter aus der Politik und der Schulleitung von Maria Königin sowie gestärkt durch das ein oder andere Stück Kuchen hat auch diese Klasse im gesamten Zeitraum – teils bei strahlendem Sonnenschein – das Wachs aus den Teelichtern gedrückt, um diese dann gesäubert pressen zu können.

Vor der Alu-Scheune in der warmen Sonne schmilzt das Wachs quasi von selbst aus den Teelichtern heraus
Auch nachts hat die 8b im Schichtplan kontinuierlich immer weiter gearbeitet
Schulleiter Fabian Borys informiert sich bei den Schülern über deren Gemütslage, spricht Lob aus und motiviert für die noch verbleibende Zeit

Nach weiteren 24 Stunden rund um die Alu-Scheune hat die Klasse 8c dann zuletzt am Samstagnachmittag mit ihrem Schichtplan begonnen. Begleitet von abwechslungsreicher Musik – von Red Hot Chili Peppers bis hin zu Karnevalsliedern – haben auch diese Schüler die gesamte Nacht hindurch bei nun deutlich kühleren Temperaturen ausgeharrt und weiter fleißig Aluminium gepresst, auch wenn die Kraft in den Händen und Beinen allmählich nachließ.

Insgesamt 60 Ballen mit je ca. 20 Kg gepresstem Aluminium stehen nun zum Recycling bereit

Bereits vor Ablauf der insgesamt 72 Stunden haben es die 8er Klassen letztlich geschafft, das gesamte über mehrere Jahre angehäufte Aluminium zu sortieren und die Aluscheune aufgeräumt zu hinterlassen, sodass der Sonntag nach einem gemeinsamen Mittagessen doch größtenteils noch zur Erholung dienen konnte, um beispielsweise etwas Schlaf nachzuholen. Letztendlich haben wir mehr als eine halbe Tonne Aluminium verarbeitet!

Fröhliche Gesichter der 8c kurz vor dem Ende – im Vordergrund sind lediglich einige Teelichter zu erkennen, die noch sortiert werden mussten

Abschließend kann die 72 Stunden-Aktion durchaus als ein Erfolg bewertet werden, einerseits, weil wir das gesteckte Ziel erreicht haben, andererseits, weil Durchhaltevermögen und körperliche Grenzerfahrungen im Klassen- bzw. Lehrerverbund unsere Teamfähigkeit unter Beweis gestellt haben.

Eine leere Alu-Scheune ist das Ziel gewesen und hier ist der Beweis – wir haben es geschafft

Abschließend kann die 72 Stunden-Aktion durchaus als ein Erfolg bewertet werden, einerseits, weil wir das gesteckte Ziel erreicht haben, andererseits, weil Durchhaltevermögen und körperliche Grenzerfahrungen im Klassen- bzw. Lehrerverbund unsere Teamfähigkeit unter Beweis gestellt haben.

Ein herzliches Dankeschön gilt den lokalen Sponsoren: an LIDL für Obst und Gemüse, an Herrn Scharf für das Bio-Hackfleisch sowie an die Metzgerei Kaderbach für einen fairen Preis der Würstchen und an alle Lehrerinnen und Lehrer für die Unterstützung, sei es als Aufsichtsperson und Motivationsstütze oder für die leckeren Kuchen und Muffins.

Peter Peil

Frühjahrsputz in der Alu-Scheune

Nachdem kurz vor den Osterferien das sortierte Alu abtransportiert war, lag der Frühjahrsputz an. Immer wieder war der Wunsch geäußert worden, Ordnung in die Scheune zu bringen. Geht das überhaupt?

Als wir in den Osterferien zu dritt die Scheune aufräumen wollten, kamen wir kaum hinein. Der Durchgang war mit Säcken zugestellt. In der Scheune war auf der einen Seite der Berg mit den abgegebenen Säcken, der an der Scheunenwand die Höhe des Matterhorns erreicht, auf der anderen Seite hatte sich eine Alu-Lawine bis in den Bereich der Sortiertische ergossen. Tonnen mit Alu standen herum, Werkzeug zum Zerlegen von Alu-Teilen stand ungesichert herum. Eine ganze Ecke war mit Brettern und anderem Material zugestapelt.

Der Eingangsbereich der Aluscheune – hier ist ein Durchkommen kaum mehr möglich gewesen

Wir hatten keinen Plan, aber es war klar, dass Platz geschaffen werden musste und dass das Werkzeug nicht einfach so herumstehen konnte. Ein erster Schritt war die Befestigung des Berges. Wir befüllten mit der Schneeschaufel größere Kartons mit herumliegendem Alu-Müll, nach einer Stunde Arbeit war eine Mauer errichtet, die den Berg klar von dem Sortierbereich trennt. Das herumliegende Material wurde beiseite geschafft, die Tonnen geleert. Nach und nach wurde der Lagerbereich für das sortierte Alu frei wurde. Nun wurden Big Packs an die Wände gehängt, um Alu-Dosen, die nicht in die Ballen gepresst werden, zu sortieren. Getränkedosen und Spraydosen, Alu-Kleinteile können jetzt sofort aussortiert werden.

Das letzte große Problem war die Lösung des Müllproblems. Es bleiben ja nicht nur das Wachs und die Dochthalter übrig, sondern auch der echte Müll, wie Kaffee- oder Chipstüten, Pillenblister, Kronkorken, aber auch viele Dinge, die nicht einmal glänzen, wie Streichhölzer, Putzschwämme aus Stahlwolle, aber auch Spülbürsten, Putzlappen, Grablichterhüllen aus rotem Plastik und viel wirklich ekliger Müll. Für die Wachsreste gibt es jetzt auf jedem Tisch pinkfarbene Behälter, am Ausgang steht eine Mülltonne. Die vielen Tüten, in denen das Sortiergut angeliefert wird, werden jetzt als Mülltüten für die Müllbehälter genutzt. Die vielen überzähligen Tüten werden im Schrank gesammelt, in dem jetzt auch Schaufel und Besen, der Magnet zum Alu-Test und andere Utensilien zu finden sind.

Zu guter Letzt wurden alle herumliegenden Kartons mit Teelichtern aufgefüllt und an der hinteren Scheunenwand zu einer Mauer aufgestapelt. Und dann war es soweit: es konnte gefegt werden. Die Bänke an den Wänden waren frei, die Sortiertische vom Wachsmüll befreit und es sah tatsächlich ordentlich aus.

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