{"id":348,"date":"2018-10-27T16:10:56","date_gmt":"2018-10-27T16:10:56","guid":{"rendered":"https:\/\/servir.de\/wordpress\/?p=348"},"modified":"2019-12-03T11:16:57","modified_gmt":"2019-12-03T11:16:57","slug":"pundamilia-unser-neues-projekt-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/servir.de\/?p=348","title":{"rendered":"Pundamilia &#8211; unser neues Projekt (2013)"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach dem Tod von Bischof Anselmo M\u00fcller im M\u00e4rz 2011 wurde schnell klar, dass unserem Verein tiefgreifende Ver\u00e4nderungen bevorstehen. Auch noch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Januar 2009 wurde fast jede Aktivit\u00e4t in Brasilien mit seinem Rat und seiner Hilfe abgewickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sollte es weitergehen? Sicher war nur, dass wir unsere beiden Kernprojekte, die Kindertagesst\u00e4tte Servir und die S\u00e4uglingsrettungsstation weiter unterst\u00fctzen werden. Die beiden genannten Projekte waren aber auf die Jahre gesehen nur ein kleiner Teil unserer T\u00e4tigkeitsfelder. Jedes Jahr hatte der umtriebige Bischof in seiner Di\u00f6zese mit unserer Hilfe neue soziale Projekte in Angriff genommen. Diese Kapazit\u00e4ten waren nun frei und so entschieden wir, ein neues Partnerschaftsprojekt zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wesentliche Kriterien dabei sollten sein, dass es sich um eine kleinere Schule im Aufbau oder der Erweiterung in einem Armenviertel handelt und dass die Sch\u00fcler in einer der Sprachen unterrichtet werden, in der unsere Sch\u00fcler auch mit ihnen z.B. \u00fcber das Internet kommunizieren k\u00f6nnen. Wir hoffen auf diese Weise, den Partnerschafts-Gedanken zu beleben. Auch eine Reisem\u00f6glichkeit f\u00fcr Sch\u00fclergruppen sollte es weiterhin geben, das bedeutet, dass das Projekt in einem Land liegen sollte, das zu den politisch stabilen z\u00e4hlt und wo die Gefahr an Leib und Leben f\u00fcr unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler m\u00f6glichst gering ist. Nach l\u00e4ngerer intensiver Suche, auch mit Hilfe mehrerer Orden und dem Hilfswerk Misereor wurden wir f\u00fcndig. Doch letzte Gewissheit sollte ein Besuch vor Ort schaffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Besuch in Kenia<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Mai 2012 besuchte eine vierk\u00f6pfige Delegation des Servir e.V. das in Frage kommende Projekt, ein Ausbildungszentrum der Salesianer in Makuyu in Kenia. Wir waren beeindruckt von der Dimension und der F\u00fchrung des Ausbildungszentrums. In einer sehr armen, relativ d\u00fcnn besiedelten Gegend, deren Bev\u00f6lkerung kaum Bildungschancen hat, pl\u00f6tzlich ein Bildungszentrum f\u00fcr schulischen Unterricht vom Kindergarten \u00fcber das erste Schuljahr bis hin zum Abitur. Die Schulen sind zwar privat aber alle Abschl\u00fcsse enden mit einer staatlichen Pr\u00fcfung. Eine gut ausger\u00fcstete Berufsschule im gleichen Komplex rundet das Angebot ab. Berufe wie Drucker, Klempner, Schwei\u00dfer, Schreiner, Maurer, Automechaniker, Elektriker werden dort f\u00fcr die Jungen angeboten, f\u00fcr die M\u00e4dchen das Friseurhandwerk und die Schneiderei. Das Ganze ist wie ein gelebter Traum, denn Bildung ist die einzige Chance f\u00fcr die Jugend, aus dem Teufelskreis des Elends herauszukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir besuchten die Klassen der Grundschule und waren erstaunt, wie hoch die Motivation und Disziplin der Kinder ist. Das gleiche gilt auch f\u00fcr die anderen Schulformen. Bei der Berufsschule entdeckten wir subtile Formen eines dualen Lernens. Was die Berufssch\u00fcler f\u00fcr ihren Beruf lernen, k\u00f6nnen sie gleich bei der Fertigung von Produkten anwenden, die f\u00fcr das Projekt gebraucht werden oder die durch ihre Ver\u00e4u\u00dferung dem Unterhalt des Schulkomplexes dienen. Dazu geh\u00f6ren vor allem Fensterrahmen aus Eisen, Bestuhlungen von Kirchen, Druckerzeugnisse, Schuluniformen usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Patres in der Niederlassung betreuen im Rahmen ihrer Pfarrei 16 kleine Gemeinden. Jede von ihnen hat eine kleine Kapellenkirche. Richtige Messen erleben die Gemeindemitglieder nur alle paar Wochen, denn von der eigenen Laienpastoral d\u00fcrfen nur Wortgottesdienste gehalten werden. Auch die Betreuung eines Gef\u00e4ngnisses geh\u00f6rt zu den Aufgaben der Patres. Sie besuchen die Einrichtung alle 14 Tage und bringen kleine Geschenke mit. In der Regel eine Flasche Limonade und Kekse f\u00fcr jeden, das Dienstpersonal inbegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell wurde klar, dass die vorgefundene, inzwischen fast 30 Jahre alte, Einrichtung eigentlich alle Eigenschaften besitzt, die wir uns vorgestellt haben und das in F\u00fclle. Hier Unterst\u00fctzung zu leisten, w\u00e4re wenig notwendig. Doch schon im Vorfeld wurde abgekl\u00e4rt, dass unsere eigentliche Aufgabe der Aufbau eines Gesundheitszentrums und einer Grundschule im etwa sieben Kilometer entfernten Pundamilia sein w\u00fcrde. Der neue Komplex, noch unter der Federf\u00fchrung der Salesianer, soll nach seiner schrittweisen Fertigstellung ein Schwesternhaus, die Krankenstation und eine Grundschule mit den Klassen 1 bis 8 beinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leitung der Einrichtung \u00fcbernehmen Schwestern des Ordens \u201eSchwestern von der unbefleckten Empf\u00e4ngnis&#8221;, deren afrikanisches Mutterhaus in Tansania liegt. Auch in Deutschland ist der Orden vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Schwestern, eine Krankenschwester und eine Lehrerin sind bereits seit Mai 2012 zu Gast in der Niederlassung der Salesianer in Makuyu, um das Projekt vorzubereiten. Ihr Einsatz ist bemerkenswert. Fast tagt\u00e4glich laufen sie zw\u00f6lf Kilometer auf steinigen Wegen durch das Gel\u00e4nde, um die Bewohner der verstreut liegenden H\u00fctten aufzusuchen und mit ihnen \u00fcber ihre Pl\u00e4ne zu sprechen. Viele leben im Elend und haben kein Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Im Krankheitsfall sind sie auf die Hilfe von \u00f6rtlichen Wunderheilern angewiesen. Umso erfreuter sind sie, zu erfahren, dass eine Krankenstation eingerichtet wird, bei der eine dringend notwendige Behandlung nicht am Geld scheitern wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/servir.de\/fokus\/images\/bild2.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"435\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Ansprechpartner der beiden Schwestern sind zwar in der Regel Katholiken, aber genauso selbstverst\u00e4ndlich stehen auf ihrer Liste auch Besuche bei Andersgl\u00e4ubigen. Immerhin sind etwa 10% der Bewohner Angeh\u00f6rige islamischer Glaubensrichtungen. Etwa 20% geh\u00f6ren lokalen Naturreligionen an. \u201eJeden, der sich mit uns unterhalten will, den suchen wir auf, denn die Kontakte \u00fcber Religionen hinweg sind gerade hier sehr wichtig&#8221;, sagt Schwester Delora. Bei diesen Hausbesuchen ist Zuh\u00f6ren ein wichtiger Teil der Gespr\u00e4che. Nur wenn man sich f\u00fcr die Sorgen und N\u00f6te der in der Regel mittellosen Familien interessiert, baut sich das Vertrauen auf, das f\u00fcr eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar gibt es eine staatliche Grundschule in Pundamilia, aber ihr Ruf ist so schlecht, dass viele Eltern sie meiden. Stattdessen schicken sie ihre Kinder schon im Alter von sechs Jahren jeden Tag auf den sieben Kilometer langen Weg in das Ausbildungszentrum Don Bosco.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Tod von Bischof Anselmo M\u00fcller im M\u00e4rz 2011 wurde schnell klar, dass unserem Verein tiefgreifende Ver\u00e4nderungen bevorstehen. Auch noch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Januar 2009 wurde fast jede Aktivit\u00e4t in Brasilien mit seinem Rat und seiner Hilfe abgewickelt. Wie sollte es weitergehen? 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